Enzo Siciliano

Ein Farbschleier über dem anderen, als ob verschiedene Filter vor das fotografische Objektiv gehalten würden und jedes klar und deutlich sein eigenes Licht hinterließe – zartes Dunkelblau und Hellblau, Ockergelb und sanftes Grün und Rosa – Nino Cordio läßt auf seinen Kupfertafeln die Farben des Traums entlanggleiten, es ist, als ob er sie in ihrer Bewegung auf Bilder von Landschaft aussetzt, die ihm die Erinnerung eifersüchtig erhält. Granatsapfeltropfen, Orangenspalten, Bestäubung des Krokusses, des Hibiskus, der Zinnie, die prallen Spitzen der Dahlie: Cordio scheint seine Farben aus natürlichen Pasten zu gewinnen: die Gerinnung des Kaffees, die Opaleszenz der Mandelmilch, die gedörrte und zerstoßene Ähre. Diese Radierungen erscheinen eine Art ununterbrochenes Tagebuch, das Tagebuch eines alexandrinischen Dichters, der Wörter in Farben verwandelt und sie auf Kupfer kristallisiert. Welche Geister regen ihn an? Vielleicht ist Cordio ein Alchimist und die Geister, die ihn anregen, sind die des Goldes, des Feuers und des Windes, die zwischen den farbigen Filtern hervoräugeln, die sie ebenso bewegen, sich zwischen die Zeichen der See und der Weinberge drängen. Es ist kein Zufall, daß der Ätna und sein Rücken oder das amethyste Meer, das sich unter ihm ausbreitet, in diesem sowohl heiteren wie erfundenen Tagebuch wieder und wieder erscheinen.

Juli 1981

Enzo Siciliano